Quelle: Architekten- und Ingenieurverein zu Düsseldorf: Düsseldorf und seine Bauten, Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1904
Am 26. Oktober 1941 wurde in der Großviehhalle des Düsseldorfer Schlachthofs der erste „Transport“ mit 1.003 jüdischen Männern, Frauen und Kindern zusammengestellt. Sie wurden am nächsten Morgen, nach einer Nacht in der Viehhalle, in das besetzte Polen, nach Lódz, deportiert und in das dortige Ghetto gepfercht. Sieben Mal diente der Schlachthof als zentrale Sammelstelle für den gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf. Die meisten Menschen wurden in der Zeit zwischen Oktober 1941 und Juli 1942 verschleppt. Nacheinander fuhren Deportationszüge vom nahe gelegenen Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf in die Ghettos:
- Litzmannstadt (Łódź) (26./27.10.1941: 1.003 Menschen)
- Minsk (9./10.11.1941: 992 Menschen – 266 von ihnen stiegen erst in Wuppertal zu)
- Riga (10./11.12.1941: 1.007 Menschen)
- Izbica (21./22.4.1942: 942 Menschen)
- Theresienstadt (20./21.7.1942: 965 Menschen)
- Theresienstadt (24./25.7.1942: 980 Menschen).
- Lenne/Minkwitz – Theresienstadt (17./18.9.1944): etwa 250 Menschen
Zielort der letzten Deportation vom 18. September 1944 waren die Arbeitslager der „Organisation Todt“ in Lenne (Niedersachsen) und Minkwitz (Sachsen-Anhalt). Betroffen waren etwa 250 in „Mischehe“ lebende Jüdinnen und Juden. Diejenigen, die für den Zwangsarbeitseinsatz nicht geeignet waren, kamen in das Jüdische Krankenhaus in Berlin in der Iranischen Straße bzw. direkt in das Ghetto Theresienstadt. Dorthin wurden im Februar 1945 schließlich auch die Häftlinge in aus Lenne und Minkwitz verschleppt.
Es gab noch zwei weitere größere Deportationen, bei denen allerdings nicht der Schlachthof als Sammelstelle diente. Die Betroffenen wurden Transporten, die aus anderen Städten kamen, angeschlossen: am 15. September 1942 mussten 142 Menschen am Düsseldorfer Hauptbahnhof einen Deportationszug besteigen, der von Koblenz und Köln über Düsseldorf und Essen direkt in das Mordlager in Sobibór führte; am 1. März 1943 wurden 58 bis dahin zurückgehaltene jüdische Zwangsarbeiter*innen mit einem aus Süddeutschland kommenden Transport über Dortmund nach Auschwitz deportiert („Fabrikaktion“). Es folgten in den Jahren 1943-1945 noch einige Einzeltransporte, die ebenfalls vom Düsseldorfer Hauptbahnhof starteten.
Schließlich wurde eine bis heute unbekannte Anzahl jüdischer Menschen (gesichert: über 100), die wegen Übertretung der gegen Jüdinnen und Juden erlassenen Bestimmungen oder wegen Gefängnis-/Zuchthausstrafen inhaftiert waren, aus der Haft direkt in Konzentrationslager – ab 1943 direkt nach Auschwitz – deportiert und ermordet.
Die genaue Zahl aller jüdischen Deportierten ist unbekannt. Es waren vermutlich bis zu 7.500 Menschen aus dem gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf – fast 6.000 von ihnen über den Düsseldorfer Schlachthof. Die Lebensbedingungen in den Ghettos waren in jeder Hinsicht katastrophal. Wer arbeitsfähig war, unabhängig vom Alter, musste Zwangsarbeit leisten, entweder im Ghetto selbst oder in einem Zwangsarbeitslager. Alle anderen wurden dem Hungertod überlassen oder „ausgesiedelt“ – was nichts anderes bedeutete, als in einem der „Vernichtungslager“, wie Auschwitz oder Chełmno, ermordet zu werden. Nach Schätzungen haben nur etwa 400 Menschen ihre Deportation überlebt, über die Hälfte von ihnen gehörte zum „Mischehen“-Transport vom 18.9.1944.




